can you 

SCHNITZEL.me?

Ich weiß selbst nicht genau, was ich mit der Frage anfangen soll.

Du kannst daraus machen, was du willst. Also: was immer du unter „Schnitzel.me“ verstehst – kannst du es machen?

Aber treten wir einen Schritt zurück:

Woher kommt der Name Schnitzel?

Eine unscheinbare Geschichte. Irgendwann in 2001.

In Nürnberg findet die erste Shiki Utage statt, es war eine der ersten (später auch größeren) Anime- und Mangaconventions, lange bevor es die heute bekannten Events gibt.

Wer zu so einer Veranstaltung geht, ist Exot. Heute ist die japanische Kultur wesentlich stärker in Fernsehen und Jugendstil vertreten, aber damals war das wirklich noch sehr sehr anders.

Gut. Auf dem Comic Salon Erlangen 2000 von dieser Shiki Utage gehört und dann in 2001 zur ersten Veranstaltung gegangen.

Vom Comic Salon her habe ich ein Geschwisterpärchen kennengelernt, Max und Martha. („Nyo“) Ziemlich nette und coole Typen (heute haben wir keinen Kontakt mehr, aus den Augen verloren, aber damals in der Folge viel gemacht – war eine tolle Zeit).

Ich komme also auf der Shiki Utage im CJD Jugenddorf in Nürnberg Thon an, zahle meinen Eintritt und bekomme ein Namensschild, auf das ich meinen Namen schreiben soll. Schließlich soll man sich ja gegenseitig kennen lernen.

Ich weiß noch nicht, was ich auf das Schild schreiben soll – mein Quasi-Spitzname „Misty“ (aus Pokémon) (und schon früh zeigt sich mein Faible für Rothaarige) ist mir zu peinlich und so laufe ich erst einmal namenlos durch die Gegend.

Das tolle am Veranstaltungsort, dem CJD Jugenddorf, ist, dass es praktisch ein Wohnheim für Blockschüler ist. Es gibt deshalb eine Küche (wo Ramen verkauft werden), Aufenthaltsräume zum Chillen und Zeichnen und Con-Hon kritzeln, einen Videospielraum und einen Vorführraum, wo Filme gezeigt werden. (während der Vorführung eines Detective Conan Films hat eine Zuschauerin einmal treffend festgestellt, dass der Täter ja nackt ist! :D)

Da ich die Räume erst einmal erkunden muss – und ja noch niemanden kenne – schaue ich einmal überall rein und laufe in Richtung Aufenthaltsraum / Küche. An einem Stehtisch stehen zwei Gestalten, die für mich nach den Geschwistern vom Comic Salon aussehen.

Ich spreche sie an mit der Frage „seid ihr die, von denen ich denke, dass ihr seid?“ und sie erkennen mich spontan auch wieder. Man muss sie für ihre herzliche Art lieben. <3

Wir kommen gut ins Gespräch und natürlich kommt die Frage auf, wie ich heiße. Also sage ich „Misty, aber eigentlich Sebastian“. Und sie sagen „ne, der Name ist nicht gut“.

Ich frage im weiteren Verlauf, was es denn zu essen gibt oder wo es was zu essen gibt.

Ramennudeln (auf die ich keinen Bock habe und die auch nicht satt machen) oder Gyros gibt es auch noch in der Küche. (ich habe zu diesem Zeitpunkt, mit zirka 17 Jahren, noch kein Gyros gegessen und will es jetzt auch nicht probieren)

Also schlagen sie mir vor, dass es um die Ecke noch einen Thai gibt (auch noch nicht gegessen, deshalb: Ablehnung) und eine Joey’s Pizzeria.

An dieser Stelle als Einwurf eine kurze Schockgeschichte: ich habe bis zu meinem 20. Lebensjahr keine Pizza gegessen und sie abgelehnt. Nur dank Zwang durch meine erste Freundin und ihre Mutter musste ich Pizza essen und bin heute – wie praktisch jeder normale Mensch – ein großer Fan davon.

Zurück zum Thema. Pizza kommt also auch nicht in Frage, es müssen noch gut 2 Jahre vergehen, bis ich anfange, sie zu essen. (Döner habe ich zum ersten Mal auch so mit 20 oder 21 gegessen)

Also bleibt den beiden Geschwistern nur noch, mir das Restaurant an der Ecke vorzuschlagen.

Deutsche Küche. Klingt gut. Ich will Fleisch. Ich brauche etwas in den Magen und keine Nudeln, Teigwaren oder Dinge, die ich nicht kenne und vielleicht gar nicht mag.

Also sage ich „die haben da bestimmt Schnitzel!“ Und ich weiß genau, was ich für ein Schnitzel will: „ein Wiener Schnitzel mit Pommes und Ketchup, ohne Salat!“. Die Zitrone kann auch gern dabei sein.

Also rede ich ein paar Minuten nur über Schnitzel und die beiden Geschwister bestärken mich, ich soll doch dann dahin gehen und ein Schnitzel essen.

Und plötzlich macht es in Marthas Kopf „klick“ und sie sagt „du heißt jetzt Schnitzel!“.

Und ich so: „nein, Schnitzel ist ein doofer Name, ich will nicht Schnitzel heißen.“

Und just in dem Moment kommen Freunde von den beiden vorbei und Martha meint so zu ihnen „hey, kennt ihr schon den Schnitzel? Der ist total cool.“

Und die Reaktion der Freunde so „ey Schnitzel, echt cooler Name.“

Und ich so „ich heiß aber gar nicht Schnitzel, mein Spitzname ist Misty.“

„Schnitzel klingt aber viel besser.“

Jedenfalls bin ich dann abgedampft zu dem Restaurant. Leider hat es schon kurz darauf geschlossen, so dass ich nicht zu meinem Schnitzel kam.

Also zurück zur Shiki Utage und in den Vorführraum.

Ich gehe hinein und höre „ah Schnitzel, da bist du ja wieder“ und „hier ist noch ein Platz frei“.

Man lernt neue Leute kennen und überall wird mir ständig hineingeplappert, dass ich der Schnitzel bin. Niemand achtet mehr auf mein (leeres) Namensschild.

Ob ich will oder nicht – ich bin jetzt der Schnitzel.

Das ist die Geschichte, wie ich zu meinem Namen gekommen bin, der mir heute sehr gut gefällt und nach wie vor eines meiner liebsten Essen beschreibt.

Jetzt kennst du die Geschichte, aber eine Frage bleibt: can you Schnitzel.me?

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