Da ist sie also. Die Bachelorarbeit.

Groß und bedrohlich scheint sie. Zum ersten Mal muss man komplett wissenschaftlich arbeiten, darf sich ja keine Fehler erlauben.

"Habe ich alle Zitate erfasst?"

"Habe ich überhaupt korrekt zitiert?"

"Habe ich auch ja keine Rechtschreibfehler in meiner Arbeit?"

"Ist meine Arbeit 'gut' genug?"

Diese und viele weitere Fragen geistern einem durch den Kopf.

Zunächst: die Bachelorarbeit ist deine Abschlussarbeit, sie soll sich einer Problemstellung widmen, die dich interessiert und idealerweise einen Beitrag für die Forschung leisten. Dabei soll erkennbar werden, dass du wissenschaftliche Gütekriterien befolgen kannst, korrekt zitierst, Quellen recherchierst und eigene Gedanken geordnet zu Papier bringen kannst. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre sollen im besten Fall mit einfließen.

Wie finde ich ein Thema?

Was interessiert dich denn? Wo gibt es zu wenig Informationen? Welches Thema hättest du dir gerne in einer Vorlesung behandelt gewünscht, aber es ist nicht dran gekommen? Wo siehst du Fehler in der Vorlesung und dem gelehrten Wissen? Kannst du hier eine Arbeit schreiben, um deinen Standpunkt zu vertreten? Welches Produkte, welche Dienstleistung, welches Wissen fehlt 'da draußen' und du hast einen Zugang dazu, den du gerne mit anderen teilen würdest? Was hat dich in den Vorlesungen besonders angesprochen und möchtest du vertiefen?

Oder andersrum: Worüber möchtest du auf gar keinen Fall schreiben? Welches Thema kotzt dich an? Womit konntest du Null anfangen? Was hasst du am derzeitigen System?Was ist dir zuwider? Vielleicht kannst du diese Fragen beantworten und dann schon daraus - oder aus dem Gegenteil deiner Antworten - ein Thema ziehen.

Scheu dich nicht, ein kontroverses Thema aufzugreifen, wenn es dich interessiert. Auch dann nicht, wenn es gegen Vorlesungsinhalte oder die Überzeugung eines Dozenten geht. Du schreibst und arbeitest dein Thema sauber aus. Wenn du korrekt arbeitest und zu einem Ergebnis kommst, das eine Meinung deines Dozenten widerlegt, wirst deine Arbeit trotzdem fair benotet werden. Hab da also keine Angst. Und wenn du ein gegenteiliges Thema bearbeitest, aber im Verlauf doch zu dem Schluß kommst, dass die gelehrte Meinung korrekt ist, ist es auch gut. Dann hast du einen wertvollen Beitrag geleistet, gängige Antithesen aufzuarbeiten.

Es spricht übrigens überhaupt nichts dagegen, schon ein Semester vorher oder in der vorlesungsfreien Zeit mit den Recherchen oder dem Schreiben anzufangen. Je eher, desto besser, denn erfahrungsgemäß ist die Zeit während des Studiums zwar fair bemessen (und die meisten Arbeiten werden in den letzten 4 Wochen vor Abgabe geschrieben), aber je eher man die Arbeit vom Tisch hat, desto besser.

Welchen Professor soll ich für die Betreuung wählen?

Diese Frage ist berechtigt, aber nur bedingt wichtig. Jeder Professor hat seine eigenen Vorlieben.

Da gibt es solche, die ein strikt objektives Maß anlegen und anhand eines Schemas die Arbeit korrigieren. Vorteil dabei ist natürlich die objektive Fairness, aber leider wird die persönliche Arbeit dabei etwas weniger stark gewürdigt. Außerdem kann es nervig sein, wenn man wegen Schreibfehlern Punkte verliert, die ein anderer Professor hätte durchgehen lassen.

Dann gibt es Professoren, die sehr hilfsbereit sind und einem relativ Freiraum gewähren. Hier kann man einfach loslegen. Schwierig kann aber sein, wenn man sich verzettelt und in den regelmäßigen Gesprächen feststellt, dass man auf dem Holzweg war und einige Dinge erneut bearbeiten muss oder einen Teil seiner Arbeit über den Haufen werfen kann.

Dann gibt es wiederum solche, die sehr strikt sind und einen nicht mit dem Schreiben der Arbeit beginnen lassen, bevor nicht die Gliederung komplett ausgearbeitet ist. Vorteil hier ist natürlich, dass man dann schon die Hälfte der Arbeit fertig hat, denn man kennt das Gerüst und muss es nur noch mit Leben füllen. Nachteil ist, dass es frustrierend sein kann, dass immer weiter herumkritisiert wird, bevor man endlich beginnen 'darf'. Die Kritik sollte in der Form aufgefasst werden, dass man gefordert wird; man sollte aber in gleichem Maße auch gefördert werden, damit einen nicht der Frust packt.

Es gibt auch Professoren, mit denen einigt man sich auf ein Thema. Man bespricht grob die Inhalte und dann wollen sie die Arbeit und den Studierenden nicht mehr sehen, bevor die Arbeit abgegeben ist. Sie lassen sich also völlig vom Inhalt überraschen. Wer die Leine so locker hält, beißt zum Glück auch nicht, wenn das Ergebnis anders ausfällt, als vielleicht erwartet wurde.

Es gibt viele verschiedene Typen von Professor oder Betreuer für die Abschlussarbeit.

Wichtig sind dabei Bauchgefühl und wie gut man sich mit dem Professor versteht. Passt mein Thema zum Interessensgebiet dieser Person? Hat er noch Kapazitäten frei, um mich zu betreuen? Wie prüfen die Professoren?

Zum Glück gibt es eine Infoveranstaltung zum Thema Bachelorarbeit schreiben, wo man sich einen Überblick verschaffen kann. Aber bitte: seid schnell, wenn ihr wisst, bei wem ihr schreiben wollt.

Formalien

Über die Formalien gibt es Infoblätter auf den Servern der Hochschule und die Infoveranstaltung. Es ist im Grunde nicht schwer: Deckblatt, Inhaltsverzeichnis/Gliederung, Textteil, Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, Quellen, eidesstattliche Versicherung. Sehr viel kann man direkt von Vorlagen übernehmen und muss es dann nur anpassen.

Als Literaturverzeichnis bietet sich CITAVI an oder eine Erweiterung für Word, die Heesen-Thesis. Damit lassen sich viele benötigte Formatierungen leicht erledigen und man muss das Rad nicht neu erfinden.

Zum Zitieren muss man sich nur auf einen Standard festlegen, z. B. APA. Hier nötigenfalls den Betreuer fragen, wie er es gerne hätte, denn je nach Methode sind die Quellenangaben im Text dann in Klammern (Schertel, 2016) oder mit einem Hinweis versehen[1], der am Ende der Seite oder erst ganz am Ende der Arbeit aufgeschlüsselt wird.

Nicht verrückt machen lassen, lautet das Motto.

Binden lassen

Geht ganz easy. Praktisch jedes Bürofachgeschäft, jede Druckerei und jeder Copyshop bieten diese Dienstleistung an. Je nach Art der Bindung ist es in 15 Minuten bis 2 Tagen erledigt. Ich selbst habe meine Arbeiten praktisch nur zwischen einem formschönen farbigen Deckel + Rückseite zusammenpressen lassen. Durch einen Metallrücken sind die Blätter zusammengedrückt und alles ist sicher. Pro Exemplar maximal 5 Minuten Aufwand. Wer seine Arbeiten evtl leim- oder fadengebunden haben möchte, muss dafür mehr Zeit einplanen. Leimbindung ist einfacher und manche Copyshops sammeln einfach immer Bestellungen und erledigen das ganze über Nacht oder über zwei Tage - in jedem Fall ist es gut zu wissen, dass Bindungen keine Wochen in Anspruch nehmen, meistens vor Ort oder im nächsten Industriegebiet möglich sind und die Arbeit dann professionell aussieht.

Der Streß

Nochmal ein paar Worte aus der Praxis. Man hat sehr häufig keinen Bock, die scheiß Arbeit zu schreiben. Es nervt und draußen ist so schönes Wetter. Außerdem haben die anderen entweder auch noch nichts gemacht oder einige, diese blöden Lappen, haben schon einen wichtigen Teil fertig. Pisser.

Wenn man keinen realistischen Plan aufstellt und sich strikt daran hält, kann man ins Schwimmen kommen. Keine Sorge, bisher hat es trotzdem noch jeder geschafft. Es ist nervig, absolut nervig. Der Dozent nervt, das Buch ist nicht in der Ausleihe verfügbar, es machen einfach zu wenig Leute bei der Befragung mit, ich bin single, das Essen schmeckt nicht, das Auto ist kaputt, es ist zu wenig Geld da, die Familie nervt, ich will einfach nur meine Ruhe haben, scheiß Note bekommen und der Hund ist tot.

Aber irgendwann hat man die verfickte Arbeit fertig, hat sie gebunden, hat sie abgegeben(!) (gedruckt und auf CD) und plötzlich scheint die Sonne so schön, ein Stein fällt vom Herzen, man hat Luft zum Atmen, die Welt ist wieder freundlich und alle gratulieren einem. Endlich. Geschafft. Es ist wunderbar, die Arbeit endlich abgegeben zu haben und jetzt liegt alles nur noch in der Hand des Professors.

Wenn man sich gut mit ihm ausgetauscht hat und er die Arbeit ja im groben schon kennt und man den Weisungen gefolgt ist, kann man sich sehr leicht eine gute Note ausrechnen. Bisher wurde noch keiner wirklich unfair behandelt oder benotet. Sofern du also deinem Betreuer nicht zufällig in den Vorgarten scheißt, bist du mit dem Studium durch und hast keine üble Note auf deine Abschlussarbeit bekommen. Glückwunsch.

Du hast damit das IGF-Studium erfolgreich abgeschlossen und bist bereit für den Arbeitsmarkt. Oder doch nicht?

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