Was genau versteckt sich in einem Kreativstudiengang hinter dem Modultitel "Kunst und Design"?

Mir gehen viele Assoziationen durch den Kopf. Aber alle waren falsch, als ich erfahren habe, dass unser Professor Claus "Dafür stehe ich mit meinem Namen" Hipp ist. Der Claus Hipp, der als Künstler unter dem Namen Nikolaus Hipp auftritt und uns allen bestens aus der Werbung bekannt ist.

Wir werden von einem hocherfolgreichen Geschäftsmann alter Schule etwas über das Wesentliche lernen, was sich in Bildern ausdrückt und viel mit der Führung eines Unternehmens gemein hat. Außerdem werden wir ihn ausfragen können, was sicherlich auch extrem wertvoll ist.

Dies ist unser dritter Exkurs, diesmal nach Aschau, wo Claus Hipp (eines seiner/)sein Atelier hat. Das Modul wurde ins zweite Semester verlagert, weil es dort wärmer ist, was sich für die Bilder nur positiv auswirken kann. Gehören tut es allerdings zum dritten Semester.

In Aschau waren wir in Laufweite des Ateliers untergebracht. Das Hotel war soweit o.k., aber nicht zu vergleichen mit Oberaudorf.

Das Atelier ist eine große Halle mit riesigen Fenstern, Unmengen an Utensilien, kargen Tischen und Stühlen und allem, was wir brauchen werden. Und es ist ausgestattet mit drei Dingen: zwei Assistenten und Claus Hipp, der mit seiner Erfahrung und seinem Wissen unsere Fragen beantworten und unser Lernziel verantworten wird.

Was dürfen wir überhaupt davon erwarten, wenn wir mit ihm Bilder malen? Wohin soll uns das führen? Wie hilft uns das tatsächlich in der Arbeit?

Spannende Fragen und spannende Antworten.

Zunächst gibt es eine ganz knappe Begrüßung, Claus Hipp ist Herr im eigenen Hause, ein Patriarch mit unangetastetem Herrschaftsanspruch. Es ist eine ihm eigene Aura, die ihm die völlige Kontrolle überstellt. Er ist nicht unfreundlich, nicht herrisch, nicht arrogant - aber man spürt, dass er Chef ist, dass er etwas mit uns tut, dass er es Leid und müde ist, es anderen Recht machen zu wollen und sich gar nicht die Mühe gibt, diesen Eindruck zu erwecken.

Er ist vor allen Dingen eines: sehr ehrlich. In der Art, wie er spricht und wie er handelt.

Er weist uns auch gleich an, jeder einen Platz auszusuchen und anschließend versammeln wir uns um seinen Tisch, wo er uns in das Thema einführt.

Wir sollen ein Bild entwerfen, welches "Energie" symbolisieren soll. Nicht auf eine greifbare, dingliche, fassbare Art, sondern das Ungreifbare, "Numismatische", die Idee von Energie, ein Konzept. Das Bild soll Energie vermitteln und sie darstellen, ohne beschreibend zu werden.

Wenige Formen, wenige Farben. Weniger ist mehr. Die Idee ausdrücken, ohne sich zu verlieren.

Los geht es und wir sollen Ideen skizzieren.

Nach einer guten halben Stunde ruft uns Claus Hipp wieder zu sich, wir sollen mit ihm über unsere Ideen reden. Er gibt Vorschläge. Und fordert deren Umsetzung. Man spürt: er gibt Wissen weiter, welches funktioniert. Und erwartet deshalb die Umsetzung, da er sich nicht mit Diskussionen herumschlagen möchte. Wieder ist er nicht unfreundlich, aber bestimmt. Geradlinig.

Ein zweiter Entwurf unserer Idee also. Und dann festmachen.

Zwischenzeitlich bauen wir die Leinwand unseres Bildes. Selbst. Wir erhalten die Rahmen und stecken und nageln sie zusammen. Anschließend schneiden wir Jutestoff zurecht, den wir auf unseren Rahmen spannen. Der erste handfeste Schritt zum eigenen Bild ist vollbracht.

 

Wie Kunst entsteht. Leinwand vor Backsteinwand.

Als nächstes sollen wir Farben auswählen, die wir für unser Bild verwenden wollen.

Drei.

Wir sollen ihm dann die Farben nennen und uns für eine Grundierung unserer Leinwand entscheiden.

Wir fertigen auf kleinen Platten einen Entwurf unseres Bildes an um zu sehen, wie es aussehen wird und uns wegen der Farben Sicherheit zu verschaffen.

Entwurf des Bildes für Kunst und Design

Als nächstes grundieren wir also die Leinwand. Mehrfach.

Während die Bilder trocknen, zitiert uns Claus Hipp an seinen Tisch. Er überblickt alles. Jederzeit. Nichts entgeht ihm.

Wir setzen uns um ihn. Er will, dass wir die Zeit nutzen und ihm Fragen stellen. Alles ist erlaubt. Es gibt kein Tabu. Und er beantwortet alle unsere Fragen.

"Was ist für Sie Glück?"

"Glück ist für mich, wenn ich bei einem Fest auf der einen Seite vom Zelt reinkommen kann, durchlaufe und auf der anderen Seite sofort wieder heraus kann. Ich war da, habe gegrüßt, aber habe nicht mehr die Notwendigkeit, anderen gefallen zu müssen."

"Was ist für Sie das Wichtigste im Leben?"

"Meine Familie und meine Enkelkinder. Und meine Liebe zu Georgien."

Auch kritische Fragen zu seinen Produkten beantwortet er ohne zu zögern, ohne etwas zu verheimlichen, ohne den Anschein, dass es ihm unangenehm ist.

Und wir erfahren, warum fast alle seine Bilder keine Titel tragen. "Damit der Titel nicht die Bedeutung verfälscht."

Der erste Tag ist damit beendet, die Bilder trocknen jetzt und wir sollen am nächsten Tag wiederkommen.

Am zweiten Tag geht es ans Werk.

Mit Ölfarbe ausgerüstet und unter den wachsamen und sparsamen Augen von Claus Hipp beginnen wir, unseren Bildern Charakter zu verleihen. Zunächst ehrfürchtig beginnen wir, unsere makellosen Leinwände zu "beschmutzen" und noch wissen wir nicht, ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Eine Mischung aus Unfähigkeit und Angst, aber doch Neugier und angetrieben von den Kommentaren aus dem Hintergrund, die uns ermahnen, dass das wichtigste Element oben rechts zu sein hat. Wie die Aufteilung in Bildern - und im Marketing - zu sein hat. Wo Elemente zu sitzen haben. Dass Formen die Form zerstören können. Dass etwas zu erschaffen schwieriger ist, als etwas zu kritisieren.

Wir malen und malen. Immer mal wieder schaut Claus Hipp durch unsere Reihen und unterstützt uns, mit Wort und Werk. An jedem Bild legt er selbst mit Hand an.

Nach der Mittagspause geht es weiter. Wieder pinseln wir. Bis zum Ende des Tages haben wir einiges geschafft. Und wieder trocknen die Bilder. Wieder stellen wir Claus Hipp Fragen. Diesmal mit mehr Vorbereitung. Manch einer hat sich geschämt, dass wir "einer so bedeutenden Persönlichkeit" keine anständigen Fragen zu stellen hatten. Ich habe Respekt vor Claus Hipp aufgrund seines Alters und in seiner Rolle als Gastgeber. Und ich schätze sein Wissen im Rahmen dieses Moduls. Auch können wir viel unternehmerisch von ihm lernen. Doch katzbuckeln liegt mir fern. Jeder stellt wieder einige Fragen und wir lernen über seine unternehmerische Sicht und über seine Prognosen für die nahe Zukunft.

Es geht nach Hause und unsere Bilder warten bis zum morgen wieder auf uns.

Kunst_und_Design_Claus_Hipp_Atelier

Am letzten Tag unseres Aufenthalts geht es nur noch an den Feinschliff.

Und um das Rahmen unserer Bilder.

Außerdem lernen wir etwas über Sparsamkeit: die Holzplatten, auf denen wir unsere Ölfarben hatten dürfen wir mit den Resten der Farben verzieren. Mit einem dünnen Spatel sollen wir die Farben verstreichen und so ebenfalls nach dem Gelernten ein neues Werk erschaffen und die Regeln der Werbegestaltung und der Kunst einfließen lassen. Wir brauchen keine weitere Farbe, auf der Platte ist genug, ganz gleich, wie viel wir zu haben glauben. Und tatsächlich - die Reste sind unglaublich ergiebig. Wir erschaffen ein weiteres kleines Werk auf der Holzplatte.

Nachdem unsere Bilder gerahmt sind heißt es: Abschlußfoto mit den Bildern und Claus Hipp. Vorher wurden diese von uns signiert und von Claus Hipp benotet.

Die Ölbilder brauchen einige Wochen, um vollständig zu trocknen, also sollten wir beim Transport aufpassen, dass sie nicht zerstört werden. Noch ausgestattet mit Büchern über Kunst und das Malen von Claus Hipp als Unterstützung für die Lehrinhalte treten wir die Heimreise an.

Was haben wir gelernt?

Wir haben im Dunstkreis einer wohl einmaligen Unternehmerpersönlichkeit gearbeitet und er hat volle drei Tage mit uns verbracht. Er hat sich in dieser Zeit fast ausschließlich um uns und die Vermittlung seines Wissens gekümmert.

Er hat uns Konzepte für Kunst und Werbung beigebracht und die Umsetzung anhand eines Bildes verfolgt und geprüft. Er hat uns Ideen mitgegeben und an seinem Wissen teilhaben lassen. Hat uns getadelt und gefördert, beschenkt und willkommen geheißen. Für drei Tage waren wir Gast. Und unsere Bilder werden uns immer daran erinnern.

Hier sind alle 7 Kunstwerke. In dieser Reihenfolge waren sie an den Wänden angebracht. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar und entspricht auch nicht der Benotung.

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