Du hast also deinen Abschluss geschafft und bist jetzt bereit, die Welt einzureißen. Bachelor of Science

Das Zeugnis hältst du fest in den Händen und schickst die ersten Bewerbungen raus.

Und jetzt?

Absagen.

Nach der Erfahrung der letzten Jahre hagelt es erst einmal Absagen. Weil: das Berufsbild des "Managers für angewandte Gesundheitswissenschaften" wird noch nicht nachgefragt. Zumindest nicht am klassischen Arbeitsmarkt.

Erfahrungsgemäß studiert 1/3 der Absolventen weiter (meistens andere Master Studiengänge), 1/3 macht eine Ausbildung (eigentlich ein Downgrade, aber für viele wichtig, um Fuß zu fassen) und 1/3 ist erst einmal arbeitslos. Zumindest sind das die Erfahrungen unseres Abschlussjahres und der vorigen Jahrgänge.

Auch in 2016, einige Jahre danach, sind nur wenige tatsächlich im Gesundheitsbereich tätig. Einige sind im Gesundheitsamt untergekommen, andere in Kliniken und Kureinrichtungen, die meisten in völlig anderen Bereichen.

Liegt es am Studium? Sind die Inhalte schlecht? Was lief schief?

Zunächst einmal muss der Zahn gezogen werden, dass der Arbeitsmarkt auf uns wartet und nichts lieber tut, als uns einzustellen. Diese Vorstellung ist bei praktisch jedem Studium einfach falsch.

Auch wenn die Dinge, die wir in IGF gelernt haben, richtig und wichtig sind, so sind sie doch nur eine Basis. Und viele Unternehmen wissen mit uns noch nichts anzufangen.

Hier kommt es auf Eigeninitiative an:

Beginnen wir doch einmal mit der Frage: warum sollte ich dich einstellen? Dich und nicht einen deiner Mitstudenten.

Und: welche Fähigkeiten bringst du mit. Und: warum hilft mir und meinem Unternehmen das.

Diese Fragen sind erst einmal wichtig zu kennen. Und die Antworten darauf. Und glaub nicht, dass du mit Pauschalaussagen wie 'irgendwas wegen BGM kann ich doch machen' etc. irgendjemanden beeindruckst. Es braucht konkrete Antworten, warum DU einen Mehrwert bietest und dem Unternehmen mehr einspielst, als du es kostest.

Wenn du dein Wunschunternehmen kennst, lohnt es sich, Pressemitteilungen (falls vorhanden) zu googlen und zu schauen, wie das Engagement im BGM oder in Bezug auf die Stelle, die du dir ausgesucht hast, in der Firma ist. Wie lange beschäftigen sie sich schon mit deinem Thema und wird es auf der Webseite genannt? Ist es in den Werten verankert oder wo findest du Ansatzpunkte, um Probleme aufzudecken.

Dann schau: mit welchen Problemen hat die Firma zu kämpfen, haben ihre Konkurrenten zu kämpfen, wie sieht es in ihrer Branche aus? Was sind die schwierigsten Probleme und wie kannst du dazu beitragen, sie zu lösen? Wenn du eine nicht-normale Bewerbung verfasst und klar herausstellst, dass du ihre Probleme kennst und Lösungen parat hast, sind deine Chancen gleich viel besser. Ungeachtet deiner Noten, Scheine, Kurse, sonstigen Fortbildungen. Das nennt sich PULL-Marketing, wie du in BWL gelernt hast. Du bist so anziehend, dass sie dich wollen.

Trotzdem gibt es Absagen. Zum Teil ist der Markt noch nicht darauf eingestellt, über reine Noten und Auswahlgespräche hinweg weiter zu denken. Zukunftsfähigkeit ist oft propagiert, aber meistens nur Worthülsen ohne jeden Inhalt. Und zum Teil könnte die Hochschule noch mehr an der Anerkennung und am Bild des Studienganges arbeiten.

An dieser Stelle ein wenig Kritik am Studium, bzw. Studiengang IGF:

In sehr vielen Modulen bleibt einem bis zum Schluß die Frage im Kopf, was ich damit nach dem Studium überhaupt anfangen soll oder warum das wichtig ist. Hier sollten die Professoren ganz klar machen, wann, wie und warum die Inhalte wertvoll sind. Indem man eine fiktive Firma skizziert, kann man alle Inhalte aufhängen. Warum braucht diese Gesundheitsfirma BWL - ach, wegen der Budgets, der Planung, der Marktbeobachtung und um unsere Leistungen zu bewerben und zu verkaufen.

Ah, wieso könnte Tourismus ein Markt für uns sein, wie können wir das nutzen? Welche Trends gibt es und warum sollten wir unsere Mitarbeiter darin ausbilden?

Ah, wie können wir unsere Wellness-Leistungen zertifizieren und welche Leistungen sind überhaupt gut? Wo ist die Abgrenzung zwischen Schulmedizin und alternativer Medizin und was will ich in welchem Umfang anbieten? Und zählt die Devise: wenn es funktioniert und das gewünschte Ergebnis bringt, ist es automatisch richtig und gut? Oder welche ethischen Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Ah, warum können wir Statistik im Unternehmen brauchen? Oh, ich kann damit belegen, dass mein Produkt einen Nutzen für den Anwender bringt? Und wie habe ich gleich noch einmal die Studie durchgeführt und meine Fragebögen kreiert und wie wurde das Projekt gemanagt? Alle Studieninhalte passen gut ins Bild, wenn man sich als (Teil der) Geschäftsführung eines jungen Unternehmens im Gesundheitsbereich sieht. Selbst die Sprachkurse, denn: man will ja die Hauptmärkte gleich mit abdecken.

Hier sollte im Studium ein klareres, eindeutiges und nachvollziehbares Bild geschaffen werden, z. B. von der IGF-AG 16 (für Studenten, die in 2016 starten).

Ein paar weitere Kritikpunkte:

Schlußends bleibt das Studium und eine Anstellung aber doch eine sehr persönliche Sache.

Du musst dir die Frage stellen: was will ich?

Was möchte ich arbeiten? Warum?

Für wen? Und welches Problem löse ich - und nur ich - oder löse ich besser als alle anderen?

Welche Talente bringe ich mit und wie kann ich diese gewinnbringend einsetzen?

Und trotzdem: wenn es nicht klappt mit der Arbeit: Kopf hoch!

Du bist nicht allein und das Leben geht weiter. Ob du willst oder nicht.

Du kannst immer noch weiter lernen, halbtags arbeiten und die restliche Zeit für die Jobsuche, Weiterbildung oder Familienplanung verwenden.

Wenn du nicht sofort unterkommst, ist es kein Weltuntergang. Es wird Hochs und Tiefs geben und das wird immer im Leben so sein. Also akzeptiere, dass die nächste Herausforderung auf dich wartet. Nach 3,5 Jahren geordneter Verhältnisse kommt jetzt ein neuer Part auf dich zu, möglicherweise chaotischer als bisher.

Du hast die letzten Hürden alle geschafft, also Ärmel hoch, Blick geradeaus und stürz dich ins Getümmel.

Die Welt wartet auf dich. Ob du schon bereit bist für die Welt, liegt ganz allein an dir. Tu es.

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