Das Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman wird häufiger empfohlen, wenn es um den Umgang mit Medien bzw. deren Informationsgehalt geht.

Mich selbst hat das Buch in großen Teilen nur gelangweilt, aber man kann jeder Sache etwas abgewinnen.

So habe ich auch aus diesem Buch einige Goldstücke herausgezogen, die ich nachfolgend zitieren möchte.

 

Darüber, warum man sein Glaubensbekenntnis nicht niederschreiben sollte (Seite 44):

Als wir uns zuerst als Religionsgemeinschaft zusammentaten, da hatte es Gott beliebt, unsern Geist so weit zu erleuchten, um uns einsehen zu lassen, daß einige Lehren, welche wir früher für Wahrheit gehalten hatten, Irrtümer, und daß andere, die wir für Irrtümer angesehen hatten, wirkliche Wahrheiten waren. Von Zeit zu zeit hat es dem Herrn beliebt, uns weitere Erleuchtung zu gewähren; unsere Grundsätze vervollkommneten und unsere Irrtümer verminderten sich. Nun sind wir aber nicht gewiß, daß wir schon am Ende dieses Voranschreitens und bei der Vollkommenheit geistlichen oder theologischen Wissens angekommen sind. Wir fürchten vielmehr, daß, wenn wir unser Glaubensbekenntnis erst einmal drucken ließen, wir uns durch dasselbe gleichsam gebunden und eingeschränkt fühlen und vielleicht abgeneigt werden würden, eine weitere Vervollkommnung anzunehmen, und daß es unseren Nachkommen in noch weit stärkerem Maße so gehen würde, weil sie annehmen würden, daß das, was wir Älteren und Gründer getan haben, etwas Geheiligtes sei, wovon niemals abgewichen werden dürfe."

Du sollst deine Glaubensgrundsätze nicht niederschreiben und erst recht nicht drucken, sonst wirst du auf immer ihr Gefangener sein.

Der letzte Satz ist beeindruckend: ein Glaubensbekenntnis, eine Idee, wie die Welt und das Leben aufgebaut sein kann, soll man nicht aufschreiben, da man hier keine Gewissheit hat. So kann sich die Idee nach den Erkenntnissen formen und die Erkenntnisse werden nicht nach der Niederschrift geformt.

Bei Zielen und der Zielsetzung jedoch will man der Gefangene der selbst niedergeschriebenen Ziele sein, da sie hier motivieren.

Was also im einen Fall störend sein kann und einen zurückhält, kann auf der anderen Seite beflügeln.

 

Über den Informationsgehalt, bzw. Wert unserer täglichen Nachrichten (Seite 87):

Wie oft kommt es vor, daß die Informationen, die ich morgens dem Radio, dem Fernsehen oder der Zeitung entnehme, mich dazu veranlassen, meine Pläne für den Tag zu ändern oder etwas zu tun, was ich sonst nicht getan hätte, und wie oft verhelfen mir diese Informationen zu Einsichten in Probleme, die ich lösen soll? Für die meisten von uns hat die Wettervorhersage zuweilen solche Konsequenzen; für Investoren sind die Börsenberichte folgenreich; und folgenreich ist manchmal auch die Meldung über ein Verbrechen, wenn es zufällig in unserer Umgebung geschehen ist oder jemand, den man kennt, davon betroffen ist. Doch der größte Teil der täglichen Nachrichten bleibt wirkungslos, besteht aus Informationen, über die wir reden können, die uns jedoch nicht zu sinnvollem Handeln veranlassen.

Hier hat Vera F. Birkenbihl immer ein schönes Beispiel gebracht. Sinngemäß:

"Die brennende Scheune im Fernsehen interessiert mich nicht. Es sei denn, es ist meine Scheune. Aber dann brauche ich die Information nicht aus den Nachrichten, dann weiß ich es schon längst. Die Information über die brennende Scheune hat null mit meinem Leben und Alltag zu tun. Wenn darüber berichtet würde, warum es zum Feuer kam und wie sich dies vermeiden lässt, hätte man eine wertvolle Information. So, wie es uns vorgeworfen wird, haben wir nur Info-Müll."

 

Ein besonders schönes Wort zum Wert der Geschichte, welches ich ansonsten unkommentiert lasse (Seite 167):

Geschichte besitzt nur für den einen Wert, der die Vorstellung ernst nimmt, daß die Vergangenheit Strukturen aufweist, aus denen sich für die Gegenwart nutzbringende Traditionen ergeben.

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