Alle Erfahrungen und Angaben Stand Wintersemester 2010.

Das fünfte Semester gliedert sich in zwei Teile:

Der erste Teil ist der Praxisteil. Wir sind ein ganzes Semester vor Ort in Betrieben. Egal ob im In- oder Ausland.

Einige Studenten gehen in Kliniken, Einrichtungen, medizinische Versorgungszentren, arbeiten bei Gesundheitsämtern, bei selbständigen Dienstleistern, Behörden oder Einrichtungen, die irgendwie mit Gesundheit zu tun haben. Manchmal erschließt sich das nicht sofort, wenn einzelne Studenten in scheinbar ganz artfremden Betrieben wie Steuerberatungskanzleien und ähnlichem tätig sind. Aber praktisch alle Möglichkeiten stehen offen und kaum ein Praktikum wird abgelehnt. Es wird im Gegenteil versucht, jeden Studenten unterzubringen und zu fördern.

Ich selbst war ein halbes Jahr vor Ort bei "Die Wurzel" in Nürnberg. Es handelt sich dabei um einen Verlag für ein Magazin über Rohkost mit angeschlossenem Versandhandel. Ich habe bei der Wurzel teilweise vor Ort gelebt und mich in den Alltag integriert. So habe ich in der Zeit auch größtenteils von Rohkost gelebt und mich dieser Erfahrung ausgesetzt. Ich war in allen Bereichen tätig und habe die telefonische Kundenberatung und Bestellaufnahme bedient, Waren gepackt, im Großhandel Lieferungen beauftragt und bearbeitet, die Webseite der Wurzel komplett erneuert, einen neuen Workflow ins Unternehmen gebracht und die Erstellung der Zeitschrift von Word auf InDesign umgestellt und dabei die Mitarbeiter geschult. Ich hatte völlig freie Hand und habe mich - bis auf die inhaltliche Erstellung der Zeitschrift - an allen Aufgaben beteiligt. Es war ein sehr außergewöhnliches Praktikum, weil es in einem sehr kleinen, familiären Rahmen stattgefunden hat, ich in allen Bereichen eingebunden war und sehr viel über Ernährung und Heilung gelernt habe.

Der zweite Teil des fünften Semesters besteht aus einer Reflektion (welche Inhalte aus dem Studium habe ich gebraucht? was war mir hilfreich? was weniger? was nehme ich an Erfahrungen und Lehren mit?) und einem Vortrag über das Praktikum zu Beginn des sechsten Semesters, um den anderen Studenten aus dem eigenen und den Nachfolgejahrgängen den Praktikumsplatz vorzustellen. Für die Mitstudenten ist es eine Möglichkeit, zukünftige Arbeitgeber auszuspähen (und das Praktikum ist eine gute Möglichkeit, sich einem potenziellen Arbeitgeber zu präsentieren) und für die jüngeren Semester ist es eine gute Möglichkeit, interessante Praktikumsstellen zu finden.

Fazit

Das Praxissemester ist das, was man selbst daraus macht.

Alle Eindrücke und Angaben Stand Sommersemester 2011.

Schon das vorletzte Semester. Wo ist die Zeit nur hin? Gerade eben war es doch noch so, als wären wir erst gestartet und hätten das zweite Semester erst hinter uns gebracht?!

Ab diesem Semester kommen die Schwerpunkte hinzu; zwei von drei Schwerpunkten müssen belegt werden. Natürlich können auch alle drei (der dritte kommt im 7. Semester) belegt werden. Welche Noten dann ins Zeugnis übertragen werden sollen (und ob dies so geht) muss vorher abgeklärt werden. Seit meiner Studienzeit kann sich hier einiges geändert haben.

Freizeit II

Freizeit II klingt zwar wieder entspannend, aber die Erfahrung aus den vorigen Semestern hat gezeigt: das ist es nicht zwingend. Uns erwarten:

Wieder erwarten uns sehr umfangreiche Skripte und viel Theorie. Zwar sind die Vorlesungen mit unterschiedlichen Medienformaten durchbrochen, aber das Grundkonzept bleibt: zuhören, Notizen machen, Fragen stellen, Erkenntnisse gewinnen, Transfer in andere Bereiche leisten. Nichts außergewöhnliches, aber auch nichts besonders spannendes. Inhaltlich aber durchaus interessant.

Forschung II

Weiter geht es mit wissenschaftlichem Rüstzeug mit diesen Inhalten:

Wir erfahren unter anderem, wie Fragebögen aufgebaut und erstellt sein müssen, wie man Befragungen durchführt und welche unterschiedlichen Methoden es gibt, Wissen zu sammeln. Wie man dieses Wissen auswertet und in Form bringt, woher man belastbare Marktdaten erhält und wie man das alles in einem wissenschaftlichen Kontext nutzt und für die Forschung verwenden kann. Ein spannendes Modul mit vielen Facetten.

Interpersonale Techniken II

Eine Fortführung von Teil I, diesmal mit folgenden Inhalten:

Wir gehen weiter darauf ein, wie man mit unterschiedlichen Zielgruppen Bedürfnisse herausfindet und Lösungen anbietet. Wie man Lösungskonzepte erstellt und umsetzt und diese auch verkaufen kann (an Träger und Kunden). Spannend, um social skills weiter auszubauen. Kein Überflieger, aber inhaltlich doch interessant. Besonders die Lösungsmodelle zur Motivation und Zielerreichung waren wertvoll.

Schwerpunkt: Arbeit und Gesundheit

Wer diesen Schwerpunkt wählt, darf sich wieder ein Semester lang einer Projektarbeit widmen. Außerdem gibt es:

Neben den üblichen Vorlesungen hatten wir in der Projektarbeit das Vergnügen, mit Michelin Hallstadt an deren betrieblichem Gesundheitsmanagement mitzuwirken, uns mit Entscheidungsträgern auszutauschen, Experteninterviews zu führen und die Maßnahmen zu überdenken. Ein sehr lehrreiches Projekt mit den üblichen Herausforderungen, die - obwohl bekannt - immer wieder fordernd sind.

Schwerpunkt: Kuration, Rehabilitation und Gesundheit

Wer mehr im Klinikbereich arbeiten möchte, findet hier den passenden Schwerpunkt. Diese Themen wurden behandelt:

Viele der Vorlesungen fanden direkt im Klinikum in Coburg statt, wo wir vor Ort von den Ärzten unterrichtet wurden. Wir hatten dabei unter anderem das Vergnügen, (freiwillig während der Krankenhausführung) auch der ein oder anderen Operation zuzuschauen (mit Einverständnis des Patienten). Ein weiterer Teil der Vorlesungen war wie gewohnt an der Hochschule Coburg und ein Blockseminar fand in den Schön Kliniken statt, wo wir ebenfalls eine ausgiebige Führung erhielten und einen Abstecher mit Vortrag in die angrenzende Obermain-Therme + Kurpark machten. Teils sehr spannende Inhalte über die Geschichte der Medizin, aktuelle medizinische Verfahren, OPs und Prothesen und die Heilwirkungen von sanften Behandlungsmethoden.

Fazit

Das sechste Semester hielt wieder Inhalte bereit, die wertvoll und wichtig sind. Die Schwerpunkte sind tiefgehend und bieten eine gute Grundlage für die weitere Bildung. Man ist inzwischen vollständig an das Anforderungsniveau gewöhnt, so dass alles relativ leicht von der Hand geht.

Alle Erfahrungen und Angaben Stand Wintersemester 2011.

Auf zum Endspurt und zur Bachelorarbeit. Wer sich in den vorigen Semestern noch kein Thema überlegt hat, sollte spätestens in den ersten 4 Wochen in Absprache mit einem Professor ein Thema finden. Aber Achtung: die Professoren betreuen nur eine gewisse Anzahl Studierender, also schnell den Wunschprofessor ausgesucht und das passende Thema mit ihm besprochen.

Gesundheit IV

Hier erwarten uns folgende Inhalte:

Ein letztes Mal Gesundheit mit Vorlesungen und Blockseminaren. In den naturheilkundlichen Selbsthilfestrategien lernen wir von einer bekannten Autorin direkt viele alte Hausmittel und medizinisch wirksame Heilpflanzen kennen, die sich für den Hausgebrauch eignen und die gut in verschiedenen Klinikeinrichtungen zu gebrauchen sind. Langfristig wertvoll.

In den medizinischen Therapiekonzepten bekommen wir Informationen über verschiedene Ausprägungen der Therapie, wie was wann wo mit wem warum geschehen kann. Und in der Ethik der Gesundheitsförderung stellen wir uns der spannenden Frage "Wer heilt, hat Recht?!" und den Ausprägungen der Antwort und den Auswirkungen auf die Therapielandschaft. Hochspannend und ein wichtiges Thema.

Perspektiven der Gesundheitsförderung

Um zu wissen, wohin die Reise mit dem Studium führen kann, gab es folgende Vorlesungen:

In diesen haben wir einen Überblick über die Landschaft da draußen bekommen und wohin die Reise mit dem Studium gehen kann. Man darf nicht erwarten, hier Jobs vermittelt zu bekommen, sondern eher eine Orientierung. Die Werte muss man dann schon noch selbst zusammen zählen und etwas für sich daraus machen.

Recht II

Spezielles Recht heißt der Inhalt. Was für ein Unterschied zu Recht I im vierten Semester! Der Dozent ist von der Hochschule, versteht sein Fach und kann mit leicht verständlichem Unterricht und Beispielen aufwarten. Es ist ein Vergnügen in dieser Vorlesung zu sein, weil es fachbezogen um Recht im Gesundheits- und Pflegebereich geht, man jederzeit folgen kann, Fragen gut erklärt werden und man das Gefühl hat, hier in Recht wirklich etwas verstanden und gelernt zu haben. Highlight.

Schwerpunkt: Tourismus, Freizeit und Gesundheit

Das dritte Schwerpunktthema. Zwei von dreien müssen gewählt werden. Wer im sechsten Semester nur einen Schwerpunkt gewählt hat, muss jetzt zwangsläufig Tourismus wählen.

In dieser Vorlesung waren bei uns weniger Studierende, da die meisten schon die beiden Schwerpunkte im sechsten Semester absolviert hatten und sich jetzt in diesem Semester mehr der Bachelorarbeit widmen wollten. Einige Studenten zeigten jedoch besonderen Elan und wollten auch das dritte Thema erfüllen, obwohl sie schon zwei Schwerpunkte belegt hatten.

Hier ging es noch einmal intensiver um das Thema Tourismus und Gesundheit. In welchem Verhältnis stehen die beiden zueinander, wo begegnet uns das, wie wirkt sich das Thema volkswirtschaftlich aus, wohin gehen die Trends... der Schwerpunkt bot wieder eine Fülle an Inhalten, auf die man von der Beschreibung allein gar nicht gekommen wäre.

Fazit

Das siebte Semester bietet noch einmal den Abschluss mit einem weiteren Ausbau des schon gelernten und Erweiterung dessen. Inhalte werden vertieft und gefestigt, neue Bereiche kommen hinzu. Insgesamt ein gutes letztes Semester.

Da ist sie also. Die Bachelorarbeit.

Groß und bedrohlich scheint sie. Zum ersten Mal muss man komplett wissenschaftlich arbeiten, darf sich ja keine Fehler erlauben.

"Habe ich alle Zitate erfasst?"

"Habe ich überhaupt korrekt zitiert?"

"Habe ich auch ja keine Rechtschreibfehler in meiner Arbeit?"

"Ist meine Arbeit 'gut' genug?"

Diese und viele weitere Fragen geistern einem durch den Kopf.

Zunächst: die Bachelorarbeit ist deine Abschlussarbeit, sie soll sich einer Problemstellung widmen, die dich interessiert und idealerweise einen Beitrag für die Forschung leisten. Dabei soll erkennbar werden, dass du wissenschaftliche Gütekriterien befolgen kannst, korrekt zitierst, Quellen recherchierst und eigene Gedanken geordnet zu Papier bringen kannst. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre sollen im besten Fall mit einfließen.

Wie finde ich ein Thema?

Was interessiert dich denn? Wo gibt es zu wenig Informationen? Welches Thema hättest du dir gerne in einer Vorlesung behandelt gewünscht, aber es ist nicht dran gekommen? Wo siehst du Fehler in der Vorlesung und dem gelehrten Wissen? Kannst du hier eine Arbeit schreiben, um deinen Standpunkt zu vertreten? Welches Produkte, welche Dienstleistung, welches Wissen fehlt 'da draußen' und du hast einen Zugang dazu, den du gerne mit anderen teilen würdest? Was hat dich in den Vorlesungen besonders angesprochen und möchtest du vertiefen?

Oder andersrum: Worüber möchtest du auf gar keinen Fall schreiben? Welches Thema kotzt dich an? Womit konntest du Null anfangen? Was hasst du am derzeitigen System?Was ist dir zuwider? Vielleicht kannst du diese Fragen beantworten und dann schon daraus - oder aus dem Gegenteil deiner Antworten - ein Thema ziehen.

Scheu dich nicht, ein kontroverses Thema aufzugreifen, wenn es dich interessiert. Auch dann nicht, wenn es gegen Vorlesungsinhalte oder die Überzeugung eines Dozenten geht. Du schreibst und arbeitest dein Thema sauber aus. Wenn du korrekt arbeitest und zu einem Ergebnis kommst, das eine Meinung deines Dozenten widerlegt, wirst deine Arbeit trotzdem fair benotet werden. Hab da also keine Angst. Und wenn du ein gegenteiliges Thema bearbeitest, aber im Verlauf doch zu dem Schluß kommst, dass die gelehrte Meinung korrekt ist, ist es auch gut. Dann hast du einen wertvollen Beitrag geleistet, gängige Antithesen aufzuarbeiten.

Es spricht übrigens überhaupt nichts dagegen, schon ein Semester vorher oder in der vorlesungsfreien Zeit mit den Recherchen oder dem Schreiben anzufangen. Je eher, desto besser, denn erfahrungsgemäß ist die Zeit während des Studiums zwar fair bemessen (und die meisten Arbeiten werden in den letzten 4 Wochen vor Abgabe geschrieben), aber je eher man die Arbeit vom Tisch hat, desto besser.

Welchen Professor soll ich für die Betreuung wählen?

Diese Frage ist berechtigt, aber nur bedingt wichtig. Jeder Professor hat seine eigenen Vorlieben.

Da gibt es solche, die ein strikt objektives Maß anlegen und anhand eines Schemas die Arbeit korrigieren. Vorteil dabei ist natürlich die objektive Fairness, aber leider wird die persönliche Arbeit dabei etwas weniger stark gewürdigt. Außerdem kann es nervig sein, wenn man wegen Schreibfehlern Punkte verliert, die ein anderer Professor hätte durchgehen lassen.

Dann gibt es Professoren, die sehr hilfsbereit sind und einem relativ Freiraum gewähren. Hier kann man einfach loslegen. Schwierig kann aber sein, wenn man sich verzettelt und in den regelmäßigen Gesprächen feststellt, dass man auf dem Holzweg war und einige Dinge erneut bearbeiten muss oder einen Teil seiner Arbeit über den Haufen werfen kann.

Dann gibt es wiederum solche, die sehr strikt sind und einen nicht mit dem Schreiben der Arbeit beginnen lassen, bevor nicht die Gliederung komplett ausgearbeitet ist. Vorteil hier ist natürlich, dass man dann schon die Hälfte der Arbeit fertig hat, denn man kennt das Gerüst und muss es nur noch mit Leben füllen. Nachteil ist, dass es frustrierend sein kann, dass immer weiter herumkritisiert wird, bevor man endlich beginnen 'darf'. Die Kritik sollte in der Form aufgefasst werden, dass man gefordert wird; man sollte aber in gleichem Maße auch gefördert werden, damit einen nicht der Frust packt.

Es gibt auch Professoren, mit denen einigt man sich auf ein Thema. Man bespricht grob die Inhalte und dann wollen sie die Arbeit und den Studierenden nicht mehr sehen, bevor die Arbeit abgegeben ist. Sie lassen sich also völlig vom Inhalt überraschen. Wer die Leine so locker hält, beißt zum Glück auch nicht, wenn das Ergebnis anders ausfällt, als vielleicht erwartet wurde.

Es gibt viele verschiedene Typen von Professor oder Betreuer für die Abschlussarbeit.

Wichtig sind dabei Bauchgefühl und wie gut man sich mit dem Professor versteht. Passt mein Thema zum Interessensgebiet dieser Person? Hat er noch Kapazitäten frei, um mich zu betreuen? Wie prüfen die Professoren?

Zum Glück gibt es eine Infoveranstaltung zum Thema Bachelorarbeit schreiben, wo man sich einen Überblick verschaffen kann. Aber bitte: seid schnell, wenn ihr wisst, bei wem ihr schreiben wollt.

Formalien

Über die Formalien gibt es Infoblätter auf den Servern der Hochschule und die Infoveranstaltung. Es ist im Grunde nicht schwer: Deckblatt, Inhaltsverzeichnis/Gliederung, Textteil, Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, Quellen, eidesstattliche Versicherung. Sehr viel kann man direkt von Vorlagen übernehmen und muss es dann nur anpassen.

Als Literaturverzeichnis bietet sich CITAVI an oder eine Erweiterung für Word, die Heesen-Thesis. Damit lassen sich viele benötigte Formatierungen leicht erledigen und man muss das Rad nicht neu erfinden.

Zum Zitieren muss man sich nur auf einen Standard festlegen, z. B. APA. Hier nötigenfalls den Betreuer fragen, wie er es gerne hätte, denn je nach Methode sind die Quellenangaben im Text dann in Klammern (Schertel, 2016) oder mit einem Hinweis versehen[1], der am Ende der Seite oder erst ganz am Ende der Arbeit aufgeschlüsselt wird.

Nicht verrückt machen lassen, lautet das Motto.

Binden lassen

Geht ganz easy. Praktisch jedes Bürofachgeschäft, jede Druckerei und jeder Copyshop bieten diese Dienstleistung an. Je nach Art der Bindung ist es in 15 Minuten bis 2 Tagen erledigt. Ich selbst habe meine Arbeiten praktisch nur zwischen einem formschönen farbigen Deckel + Rückseite zusammenpressen lassen. Durch einen Metallrücken sind die Blätter zusammengedrückt und alles ist sicher. Pro Exemplar maximal 5 Minuten Aufwand. Wer seine Arbeiten evtl leim- oder fadengebunden haben möchte, muss dafür mehr Zeit einplanen. Leimbindung ist einfacher und manche Copyshops sammeln einfach immer Bestellungen und erledigen das ganze über Nacht oder über zwei Tage - in jedem Fall ist es gut zu wissen, dass Bindungen keine Wochen in Anspruch nehmen, meistens vor Ort oder im nächsten Industriegebiet möglich sind und die Arbeit dann professionell aussieht.

Der Streß

Nochmal ein paar Worte aus der Praxis. Man hat sehr häufig keinen Bock, die scheiß Arbeit zu schreiben. Es nervt und draußen ist so schönes Wetter. Außerdem haben die anderen entweder auch noch nichts gemacht oder einige, diese blöden Lappen, haben schon einen wichtigen Teil fertig. Pisser.

Wenn man keinen realistischen Plan aufstellt und sich strikt daran hält, kann man ins Schwimmen kommen. Keine Sorge, bisher hat es trotzdem noch jeder geschafft. Es ist nervig, absolut nervig. Der Dozent nervt, das Buch ist nicht in der Ausleihe verfügbar, es machen einfach zu wenig Leute bei der Befragung mit, ich bin single, das Essen schmeckt nicht, das Auto ist kaputt, es ist zu wenig Geld da, die Familie nervt, ich will einfach nur meine Ruhe haben, scheiß Note bekommen und der Hund ist tot.

Aber irgendwann hat man die verfickte Arbeit fertig, hat sie gebunden, hat sie abgegeben(!) (gedruckt und auf CD) und plötzlich scheint die Sonne so schön, ein Stein fällt vom Herzen, man hat Luft zum Atmen, die Welt ist wieder freundlich und alle gratulieren einem. Endlich. Geschafft. Es ist wunderbar, die Arbeit endlich abgegeben zu haben und jetzt liegt alles nur noch in der Hand des Professors.

Wenn man sich gut mit ihm ausgetauscht hat und er die Arbeit ja im groben schon kennt und man den Weisungen gefolgt ist, kann man sich sehr leicht eine gute Note ausrechnen. Bisher wurde noch keiner wirklich unfair behandelt oder benotet. Sofern du also deinem Betreuer nicht zufällig in den Vorgarten scheißt, bist du mit dem Studium durch und hast keine üble Note auf deine Abschlussarbeit bekommen. Glückwunsch.

Du hast damit das IGF-Studium erfolgreich abgeschlossen und bist bereit für den Arbeitsmarkt. Oder doch nicht?

Du hast also deinen Abschluss geschafft und bist jetzt bereit, die Welt einzureißen. Bachelor of Science

Das Zeugnis hältst du fest in den Händen und schickst die ersten Bewerbungen raus.

Und jetzt?

Absagen.

Nach der Erfahrung der letzten Jahre hagelt es erst einmal Absagen. Weil: das Berufsbild des "Managers für angewandte Gesundheitswissenschaften" wird noch nicht nachgefragt. Zumindest nicht am klassischen Arbeitsmarkt.

Erfahrungsgemäß studiert 1/3 der Absolventen weiter (meistens andere Master Studiengänge), 1/3 macht eine Ausbildung (eigentlich ein Downgrade, aber für viele wichtig, um Fuß zu fassen) und 1/3 ist erst einmal arbeitslos. Zumindest sind das die Erfahrungen unseres Abschlussjahres und der vorigen Jahrgänge.

Auch in 2016, einige Jahre danach, sind nur wenige tatsächlich im Gesundheitsbereich tätig. Einige sind im Gesundheitsamt untergekommen, andere in Kliniken und Kureinrichtungen, die meisten in völlig anderen Bereichen.

Liegt es am Studium? Sind die Inhalte schlecht? Was lief schief?

Zunächst einmal muss der Zahn gezogen werden, dass der Arbeitsmarkt auf uns wartet und nichts lieber tut, als uns einzustellen. Diese Vorstellung ist bei praktisch jedem Studium einfach falsch.

Auch wenn die Dinge, die wir in IGF gelernt haben, richtig und wichtig sind, so sind sie doch nur eine Basis. Und viele Unternehmen wissen mit uns noch nichts anzufangen.

Hier kommt es auf Eigeninitiative an:

Beginnen wir doch einmal mit der Frage: warum sollte ich dich einstellen? Dich und nicht einen deiner Mitstudenten.

Und: welche Fähigkeiten bringst du mit. Und: warum hilft mir und meinem Unternehmen das.

Diese Fragen sind erst einmal wichtig zu kennen. Und die Antworten darauf. Und glaub nicht, dass du mit Pauschalaussagen wie 'irgendwas wegen BGM kann ich doch machen' etc. irgendjemanden beeindruckst. Es braucht konkrete Antworten, warum DU einen Mehrwert bietest und dem Unternehmen mehr einspielst, als du es kostest.

Wenn du dein Wunschunternehmen kennst, lohnt es sich, Pressemitteilungen (falls vorhanden) zu googlen und zu schauen, wie das Engagement im BGM oder in Bezug auf die Stelle, die du dir ausgesucht hast, in der Firma ist. Wie lange beschäftigen sie sich schon mit deinem Thema und wird es auf der Webseite genannt? Ist es in den Werten verankert oder wo findest du Ansatzpunkte, um Probleme aufzudecken.

Dann schau: mit welchen Problemen hat die Firma zu kämpfen, haben ihre Konkurrenten zu kämpfen, wie sieht es in ihrer Branche aus? Was sind die schwierigsten Probleme und wie kannst du dazu beitragen, sie zu lösen? Wenn du eine nicht-normale Bewerbung verfasst und klar herausstellst, dass du ihre Probleme kennst und Lösungen parat hast, sind deine Chancen gleich viel besser. Ungeachtet deiner Noten, Scheine, Kurse, sonstigen Fortbildungen. Das nennt sich PULL-Marketing, wie du in BWL gelernt hast. Du bist so anziehend, dass sie dich wollen.

Trotzdem gibt es Absagen. Zum Teil ist der Markt noch nicht darauf eingestellt, über reine Noten und Auswahlgespräche hinweg weiter zu denken. Zukunftsfähigkeit ist oft propagiert, aber meistens nur Worthülsen ohne jeden Inhalt. Und zum Teil könnte die Hochschule noch mehr an der Anerkennung und am Bild des Studienganges arbeiten.

An dieser Stelle ein wenig Kritik am Studium, bzw. Studiengang IGF:

In sehr vielen Modulen bleibt einem bis zum Schluß die Frage im Kopf, was ich damit nach dem Studium überhaupt anfangen soll oder warum das wichtig ist. Hier sollten die Professoren ganz klar machen, wann, wie und warum die Inhalte wertvoll sind. Indem man eine fiktive Firma skizziert, kann man alle Inhalte aufhängen. Warum braucht diese Gesundheitsfirma BWL - ach, wegen der Budgets, der Planung, der Marktbeobachtung und um unsere Leistungen zu bewerben und zu verkaufen.

Ah, wieso könnte Tourismus ein Markt für uns sein, wie können wir das nutzen? Welche Trends gibt es und warum sollten wir unsere Mitarbeiter darin ausbilden?

Ah, wie können wir unsere Wellness-Leistungen zertifizieren und welche Leistungen sind überhaupt gut? Wo ist die Abgrenzung zwischen Schulmedizin und alternativer Medizin und was will ich in welchem Umfang anbieten? Und zählt die Devise: wenn es funktioniert und das gewünschte Ergebnis bringt, ist es automatisch richtig und gut? Oder welche ethischen Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Ah, warum können wir Statistik im Unternehmen brauchen? Oh, ich kann damit belegen, dass mein Produkt einen Nutzen für den Anwender bringt? Und wie habe ich gleich noch einmal die Studie durchgeführt und meine Fragebögen kreiert und wie wurde das Projekt gemanagt? Alle Studieninhalte passen gut ins Bild, wenn man sich als (Teil der) Geschäftsführung eines jungen Unternehmens im Gesundheitsbereich sieht. Selbst die Sprachkurse, denn: man will ja die Hauptmärkte gleich mit abdecken.

Hier sollte im Studium ein klareres, eindeutiges und nachvollziehbares Bild geschaffen werden, z. B. von der IGF-AG 16 (für Studenten, die in 2016 starten).

Ein paar weitere Kritikpunkte:

Schlußends bleibt das Studium und eine Anstellung aber doch eine sehr persönliche Sache.

Du musst dir die Frage stellen: was will ich?

Was möchte ich arbeiten? Warum?

Für wen? Und welches Problem löse ich - und nur ich - oder löse ich besser als alle anderen?

Welche Talente bringe ich mit und wie kann ich diese gewinnbringend einsetzen?

Und trotzdem: wenn es nicht klappt mit der Arbeit: Kopf hoch!

Du bist nicht allein und das Leben geht weiter. Ob du willst oder nicht.

Du kannst immer noch weiter lernen, halbtags arbeiten und die restliche Zeit für die Jobsuche, Weiterbildung oder Familienplanung verwenden.

Wenn du nicht sofort unterkommst, ist es kein Weltuntergang. Es wird Hochs und Tiefs geben und das wird immer im Leben so sein. Also akzeptiere, dass die nächste Herausforderung auf dich wartet. Nach 3,5 Jahren geordneter Verhältnisse kommt jetzt ein neuer Part auf dich zu, möglicherweise chaotischer als bisher.

Du hast die letzten Hürden alle geschafft, also Ärmel hoch, Blick geradeaus und stürz dich ins Getümmel.

Die Welt wartet auf dich. Ob du schon bereit bist für die Welt, liegt ganz allein an dir. Tu es.

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