Matthias Claudius

Die Toleranz endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Oder in den Worten von Matthias Claudius ausgedrückt: „Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.“

Highlights aus Neil Postman „Wir amüsieren uns zu Tode“

Das Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman wird häufiger empfohlen, wenn es um den Umgang mit Medien bzw. deren Informationsgehalt geht. Mich selbst hat das Buch in großen Teilen nur gelangweilt, aber man kann jeder Sache etwas abgewinnen. So habe ich auch aus diesem Buch einige Goldstücke herausgezogen, die ich nachfolgend zitieren …

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Storytelling – Make Me Care

In diesem TED-Talk geht Andrew Stanton auf gutes Storytelling ein.

Eine gute Geschichte zieht dich in ihren Bann mit dem Versprechen, dass es deine Zeit wert ist und sorgt dafür, dass du emotional berührt wirst, dass du angesprochen bist, dass du dich interessierst.

Eine gute Geschichte, jeder einzelne Handlungsstrang, arbeitet immer auf ein finales Ergebnis hin. Gutes Storytelling ist gutes Witze erzählen. Alles ist ausgerichtet auf die Pointe.

Eine gute Geschichte gibt uns nicht alle Informationen, wir müssen ergänzen. Wir müssen (mit)arbeiten, um die Geschichte komplett zu machen. Aus demselben Grund beschäftigen wir uns gerne mit Kindern oder Tieren, die nicht in der Lage sind, sich vollständig auszudrücken. Wir sind von Natur aus darauf ausgelegt, Sachverhalte zu verstehen, zu entschlüsseln und zu vervollständigen und das tun wir im Umgang mit Tieren und Kindern. Und wir fühlen uns gut, wenn wir das Rätsel geknackt, die Botschaft verstanden haben. Auch, wenn sie eher klein und unbedeutend war und uns das Ergebnis nicht als Belohnung bewusst wird – unterbewusst sind wir dies sehr wohl.

Eine gute Geschichte gibt dir nicht das Ergebnis, du erfährst nicht, dass die Lösung 4 ist. Du bekommst 2 + 2 präsentiert und musst die Lösung selbst herausfinden. Ein fertiges Ergebnis präsentiert zu bekommen, ist langweilig. Niemand geht ins Kino, nur um das Ende zu sehen, um sofort die Lösung zu erfahren. Wir wollen die Hinführung zum Climax, zum Höhepunkt. Wir wollen miträtseln, mitleiden, mitfiebern und einen Ticken schneller und schlauer sein als der Rest. Aber jeder will auf die Lösung kommen – ist es zu schwer, komme ich nicht mit, habe ich ein blödes Gefühl. Das darf nicht das Ergebnis einer Geschichte sein.

Drama ist Erwartungshaltung plus Unsicherheit.

Eine gute Geschichte baut eine Erwartung auf, lässt dich aber im Unklaren, wie sie sich entwickeln wird.

  • Wird es gut ausgehen?
  • Wird es so ablaufen, wie ich es erwarte oder doch anders?
  • Bekommt Sie den Prinzen?
  • Rettet er die Welt?
  • Endet es tragisch?

Ich bleibe im Unklaren, was passieren wird. Ich weiß nicht, wie die Geschichte ausgeht. Es gibt eine fehlgeleitete Erwartungshaltung, die das Ende umso mehr verstärkt. Hatte ich Recht? Hatte ich Unrecht und wie kompensiert die Geschichte das? Wenn es überhaupt kompensiert wird. Erzähl mir mehr, ich will wissen, wie die Geschichte weitergeht, ob ich Recht hatte, oder nicht. Ich fühle mit den Charakteren in der Geschichte, ich leide mit ihnen, ich bin involviert, ich bin kein Zuschauer, ich bin dabei. Ich will wissen, wie es endet. Wir alle haben das Bedürfnis, dass eine begonnene Handlung auch beendet wird.

Du kannst jeden Menschen lieben, wenn du seine Geschichte kennst.

Eine gute Geschichte hat Charaktere mit Vorzügen und Fehlern. So werden sie menschlich, so können wir uns identifizieren. Auch eine Person mit Charakterschwächen wird uns sympathisch, wenn wir die Hintergründe kennen und wenn sie über sich hinauswächst. Gutes Storytelling macht genau das.

Eine gute Geschichte hat ein zugrundeliegendes Thema, eine Schwingung, eine nicht ausgesprochene Botschaft, die wir unterbewusst erfassen und alles in einen größeren Rahmen setzt, dem ganzen ein Bild verleiht.

  • Auf welcher Reise ist der Charakter?
  • Findet er sich selbst? Geht es um Entwicklung und Selbsterkenntnis?
  • Wird ein zutiefst menschliches Bedürfnis angesprochen? Nach Sicherheit oder Anerkennung, mehr zu sein oder zu werden, als man schon ist? Sich einzusetzen und zu beschützen, was wichtig ist?
  • Werden Fragen des Lebens behandelt, die uns alle ansprechen, alle interessieren?

Exkurs: eine Hilfe, um eine gute Geschichte zu entwickeln, kann der morphologische Kasten (ausführliche Erklärung) sein:

Genre Held Gegner Schwäche Stärke
Horror Mann Land Schokolade hohe Intelligenz
Romanze Frau Monster Regen übernatürliche Fähigkeit
Action Alien keiner Licht  Unsterblichkeit
Comedy Tier (Hund) Geist Krankheit  Fliegen

Würden wir als Genre nun einen Krimi wählen mit einem Tier als Helden, einem Monster als Gegner, Schokolade als Schwäche und Fliegen als Stärke können wir mit einem weiteren morphologischen Kasten noch weiter in die Tiefe einsteigen (natürlich kann auch einfach der ursprüngliche Kasten um den nachfolgenden Kasten erweitert werden):

Epoche Ziel Gegner Tatwaffe Motiv Täter
Mittelalter Weltherrschaft Messer Gier Held selbst
Neuzeit Chaos Pistole Lust Natur
Zukunft Boykott scharfer Verstand Neid Gegner selbst
Gegenwart Erleuchtung Gift Stolz Handlanger

Diese grundlegenden Hinweise können uns helfen, bessere Geschichten zu erzählen. Egal, ob wir einen Aufsatz schreiben, eine Verkaufsseite im Internet oder ein Video erstellen.

Der obige TED-Talk ist eine wunderbare Einführung, gibt uns Impulse, lehrt uns und nährt die Seele. Denn das ist es, was eine gute Geschichte wirklich ausmacht.